Gastbeitrag Marcus Baranski – AeroFitting zum KOTL

Vor dem KOTL schnell nochmal schneller gemacht

Samstag ist es endlich so weit, es geht wieder rund um den Attersee beim King of the Lake. Wer da einmal war, der will immer wieder hin. Und wer einmal gewonnen hat, der würde das gern nochmal erleben. Meine Historie mit dem Rennen hätte man sich auch nicht schöner ausdenken können, deshalb hier nochmal der Beitrag zu meinem Hammerritt 2018.

Weil die 47 Kilometer auf der gesperrten Straße rund um den See verdammt schnell sind und beim Zeitfahren eh nichts über Aerodynamik geht, versuchen alle Aspiranten auf die vorderen Plätze die Register zu ziehen, um ein paar Watt an Windwiderstand von sich ab zu schälen. Das geht am besten auf der Rad-Bahn, ganz einfach, weil man hier mit seiner Zielleistung in Watt auch annähernd so auf dem Rad sitzt, wie draußen auf der Piste. Die andere Alternative, der Windkanal ist für das Gros der Sportler einfach nicht erreich- und bezahlbar, zudem testet man da meist nicht an der Schwelle. Alle anderen Messungen in Echtzeit draußen in der Natur sind durch solche Variablen wie Wind, Autos, wechselnden Straßenbelag usw. auch noch verbesserungsbedürftig. Auch wenn ich hoffe, dass da bald mehr geht.

AeroFitting auf der Radrennbahn

Für mich ging es letzte Woche also mal wieder nach Büttgen, wo es eine der wenigen in Deutschland für sowas zugänglichen geschlossenen (wegen Wind) Bahnen gibt. Für mich war es das fünfte Mal auf der Bahn, als alten Hasen kann ich mich leider trotzdem nicht bezeichnen, dazu gleich noch was.

Mit mir vor Ort war Michael Richter, auf altmodisch würde man sagen Geschäftsführer von Specialized DACH sowie Jonas und Prakti Max von HYCYS, mit dem ich auch schon das letzte Mal,  wenn auch schon wieder ein paar Jahre her, hier auf der Bahn war. Michael und ich kennen uns vom Zeitfahren und hatten uns diese Aktion schon im letzten Jahr nach dem KOTL vorgenommen, wo Specialized dieses und nächstes Jahr wie auch schon letztes einer der Hauptsponsoren ist. Mehr zur Altherren-Achse Richter/Baranski gibt es hier.

Bei ihm vorangegangen war am Tag davor ein Labortermin bei HYCYS, wo es um Erstanamnese und stabilen Sitz ging. Sowas hatte ich beim letzten Mal im Vorfeld auch gemacht und nur so wird ein Schuh aus der schnellen Position – wenn man stabil, ruhig und beschwerdefrei sitzt. Unangenehm sollte nachher im Wettkampf nämlich nur das Brennen in Bronchien und Beinen sein. Hierzu ging es bei ihm unter anderem hoch und runter mit dem Cockpit, was bei mir seit Jahren wie gemeißelt eingestellt ist.

Materialauswahl

Bei mir stand, wie abschließend auch noch bei Michael, das Durchtesten von diversen Einteilern und Helmen an. Speziell mit Ersterem hatte ich mich über den Winter noch voller Hoffnung eingedeckt, primär mit den tollsten Einteilern der Welt aus UK. Begonnen wurde mit einer Baseline-Messung, der zuletzt bei mir schnellsten Kombo, namentlich dem „Drone“-Helm von MET und dem Einteiler „Myth“ von den Jungs und Deerns von Ryzon aus Cologne. Das war zuletzt 2019 im Windkanal und dann beim Praxistest auf Hawaii samt Windmessrechen von Swiss Side die beste, weil am wenigsten Watt fressende Kombination. Wohlgemerkt bei mir, denn sowas ist hochindividuell. Auch wohlgemerkt: Der Myth ist ein reiner Triathlon-Einteiler mit Ärmeln nur bis kurz über dem Ellenbogen. Dagegen wurde dann diverse andere Helme getestet, etwas der „Codatronca“, auch von MET, der „Race 8“ von Uvex, ein „S-Works“ von Specialized und der „D2Z Aeroswitch“ von Endura.

Von Endura hatte ich auch den mittlerweile UCI-illegalen „D2Z“ Einteiler dabei, dann was von NoPinz, noch meinen Deutschland-Einteiler über Endura von der 2019er Weltmeisterschaft und den Bodypaint 3.0 von Castelli, der so leider nicht mehr gebaut wird.

Bevor ich zum Ergebnis komme, nochmal der Disclaimer: So etwas kann man nicht verallgemeinern und wenn euch ein Hersteller das erzählt wie „mein Einteiler ist für alle Athleten der schnellste“, dann ist das Bullshit. Es kommt immer auf das Gesamtpaket aus Fahrer, Körperbau, Position, Geschwindigkeit sowie Übergang Helm zu Körper sprich Einteiler an. Für alle Freaks: Getestet haben wir bei 47 Stundenkilometern, also eher Zeitfahr- als Triathlon-Tempo. Grob ging es dazu immer drei Minuten bei Schwellenleistung rund. Das gibt nicht nur realistische Werte, sondern auf dem Holzoval auch Stabilität und Sicherheit. Die erste halbe Stunde beim Aufwärmen mit hundert Watt weniger bin ich nämlich gefahren wie auf Eiern und wie der letzte Anfänger. Kleine Notiz an mich für das nächste Mal: Aufgewärmt wird bitte auf der Rolle.

Das Ergebnis nach einem Tag Testen: Die Baseline war die beste. Sprich alles, was danach kam, war messbar schlechter. Erstaunlicherweise auch wieder alle reinen Wunderanzüge zum Zeitfahren, in die ich teilweise alleine nicht reinkomme, weil die so eng sind. In Werten sind das bei mir zwar nur ganz wenige Watt, in absoluten Zahlen drei Watt vom besten zum „schlechtesten“ Wert, aber die will ich auch nicht mehr in den falsche Richtung durch den Auspuff blasen, wenn sonst schon alles optimiert ist. Und weil es immer so schön anschaulich klingt: Auf 40 Kilometer ist der schlechteste (NoPinz) zum besten Einteiler (dem Myth für die Triathleten) bei gleichem Helm eine halbe Minute langsamer, bei 47. Beim KOTL ist das schnell der Unterschied vom Thron zu „geh´ mal gleich an den Bierstand“.

Verbesserungen liegen im Detail

Wenn man sich häufiger mit solchen Tests befasst, dann ist irgendwann ein Plateau erreicht, wo es wenn, dann nur noch in ganz kleinen Schritten voran geht. Sprünge, von denen man manchmal hört, grob so „wieder 15 Watt verbessert“, stammen wenn, dann von einer eher mittelmäßigen Ausgangsposition zu einer dann eben erstmalig verbesserten.

Bei Michael verhielt es sich ein wenig so, er war hier das erste Mal am Start. Neben der Tatsache, dass er mit dem Cockpit jetzt 10 Millimeter höher sitzt, was neben mehr Komfort oft auch schneller macht, weil Kopf, Schultern und Oberkörper so mehr zu einer Einheit für den Wind werden, hat er bei den Einteilern noch deutlich was rausgeholt zum bisherigen Modell, genauer zwölf Watt bei 42 km/h.

Bei ihm am schnellsten war der „Bodypaint 3.0“ von Castelli vor dem Endura „D2Z“. Interessanterweise war die Differenz hier deutlich größer als bei mir. Im Endergebnis hat ihm die Verbesserung auf flache 40 Kilometer ungefähr eine Minute gebracht. Da sein Ziel eine Einsparung von zwei Minuten zum Vorjahr beim KOTL ist, tippe ich mal auf deutlich bessere Beine als vor einem Jahr. Beeindruckend sahen die Keulen auf jeden Fall wieder aus.

Wer jetzt auch zuckt, ob so eine Session was für ihn ist: Ab einem gewissen Leistungsniveau geht da aus meiner Sicht nichts dran vorbei. Verbesserungen wie die von Michael oder die Wahl des richtigen Einteilers oder Helms sind per Auge schwer zu verifizieren. Und Zugewinne, weil um solche handelt es sich bei der Reduzierung von verschenkten Watt im Umkehrschluss, sind durch Training nur schwer zu erzielen.

Dir würde eine Trainingseinheit sichere 12 Watt bringen? Würdest du das trainieren oder eher nicht? Na also.

Und für alle, die noch nicht so weit sind und sich erstmal in den ganzen Themenbereich einlesen möchten habe ich aber auch noch einen Tipp. Und zwar einen Buchtipp in eigener Sache. Seit letzter Woche ist es endlich draußen, mein Baby zum Thema so richtig schnelles Radfahren. Hier findet ihr jede Menge Tipps, wie ihr euch und euer Material schon im Vorfeld optimieren könnt.

Und wer noch ein bisschen hinter die Kulissen von Büttgen schauen möchte, hier noch ein kurzes knackiges Video von Alex Schmidt, vom dem auch die Bilder stammen, danke dafür! Und danke an die Boys von HYCYS für ihre Geduld mit mir den Tag, das war sicher nicht leicht. Wir sehen uns am Attersee?

Warum ein BikeFitting auch kurz vor einem Wettkampf Sinn machen kann, erklärt unser Bike- und AeroFitting Experte Jonas im Beitrag BikeFitting in der Wettkampf-Vorbereitung | HYCYS

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