Racing & Pacing: Ironman 70.3 Gdynia mit Patrick Lange und Boris Stein

Am letzten Wochenende fand mit den Ironman-Mitteldistanzen in Talinn, Les Sables d‘Olonne und Gdynia sowie der ITU-Weltmeisterschaft in Hamburg vermutlich das größte Triathlon-Wochenende des Jahres statt. Beim Ironman 70.3 in Gdynia (Polen) standen mit Patrick Lange und Boris Stein zwei HYCYS Athleten am Start, deren Rennen sich Coach Björn Geesmann für euch einmal genauer angeschaut hat.

Voraussetzungen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten

Die Voraussetzungen, die Patrick und Boris mitbringen, könnten unterschiedlicher kaum sein. In der ersten Disziplin beim Schwimmen würde man Patrick grundsätzlich zu den potentiellen Kandidaten für die erste Gruppe zählen. Das Radfahren ist die Disziplin, bei der noch am meisten Potential vorhanden ist. Das Laufen ist bekanntlich seine stärkste Disziplin, die ihm unter anderem mit drei Marathons um 2:39-2:40 h in 2016, 2017 und 2018 in Kailua-Kona, Hawaii den 3. und zwei Mal den 1. Platz bei den Ironman Weltmeisterschaften sicherte.

Boris würde man eher als Späteinsteiger bezeichnen, der vor allem von seiner Radstärke profitiert. Das eher mäßige Schwimmen gleicht er grundsätzlich mit starken Zeiten auf dem Rad aus, bei denen es ihm häufig gelingt in kürzester Zeit bis an die Spitze des Rennens vorzudringen. So gilt Boris‘ Radzeit von 4:03:08 h beim Ironman in Kalmar über 180 km weiterhin als zweitschnellste je gefahrene Radzeit auf der Langdistanz.

Patrick Lange vor dem Schwimmstart

Unplanmäßiger Saisonauftakt im September

Dass der Saisonauftakt in 2020 auf den September fällt, beschreibt die Auswirkung von Covid-19 auch auf die Welt des Profitriathlons sehr gut. Statt Ironman Frankfurt oder Hawaii hieß der „Saisonhöhepunkt“ dieses Jahr Gdynia – und bleibt vielleicht sogar das einzige Rennen des Jahres. Eine zielgerichtete Vorbereitung auf ein einzelnes Event ist in den letzten Monaten aufgrund der Änderungen im Rennkalender nicht möglich gewesen. Daher ist auch der aktuelle Leistungsstand von Boris und Patrick nicht bei 100% – wie vermutlich bei jedem anderen Athleten auch. Dass aber überhaupt noch ein Rennen dieses Jahr stattfinden konnte, verdanken wir dem Veranstalter, der für einen schönen Rennsonntag in Polen gesorgt hat.

Ungewohnter Platz 9 auf dem Rad und verpasste erste Gruppe

Beim Schwimmen in der Ostsee setze sich zügig eine größere Gruppe um Patrick ab, die nach knapp 23min das Wasser verließ. Mit der ersten Gruppe aus dem Wasser zu kommen, war durchaus ein Wunschszenario, wodurch weiterhin alle taktischen Szenarien auf dem Rad gegeben waren.

Boris verließ das Wasser mit knapp 3min Rückstand. Ein Abstand, der im Normalfall für Boris zügig aufholbar ist. Da in diesem Jahr mangels Rennmöglichkeiten die Konkurrenz aber auch groß war, war es für Boris schwieriger als sonst, nach vorne aufzuschließen.

Man kann Boris nicht vorwerfen, er habe es nicht versucht: Mit einer durchschnittlichen Leistung von 343 Watt auf den ersten 30 km konnte Boris zwar einige Athleten einsammeln, da aber weiter vorne die Gruppen gut funktionierten, gestaltete sich die Aufholjagd schwierig.

Die vordere Gruppe um Patrick teilte sich circa bei Kilometer 30 in zweite Teile, wobei Patrick den Sprung in die erste Gruppe um Florian Angert leider verpasste. Zu diesem Zeitpunkt begann der spätere Sieger Magnus Ditlev ganz vorne einsam seine Kreise zu ziehen. Sein Vorsprung auf die erste Nachfolgegruppe betrug in der zweiten Wechselzone 5:30 min – ein Vorsprung, den er sich nicht mehr nehmen ließ.

Bei Kilometer 55 konnte Boris die Gruppe um Patrick einholen und setze sich auch gleich von dieser ab. Bis auf 1:30 min konnte er noch auf die erste Gruppe auffahren, musste sich aber trotz der zweitschnellsten Radzeit des Tages mit der eher ungewohnten 9. Platzierung nach dem Radfahren zufriedengeben.

Boris Stein auf dem Halbmarathon beim Ironman 70.3 Gdynia

Starke Laufleistung aufs Podium

Die Ausgangsbasis in der T2: Boris mit 1:30 min Rückstand auf die erste Gruppe, Patrick weitere 50 s dahinter und demnach mit knapp 2:10 min Rückstand auf Platz 2.

Boris lief mit einer Zeit von 1:17:09 h einen durchaus soliden Halbmarathon. Bei der starken Konkurrenz reichte ein „solide“ am Ende des Tages aber leider nur für Platz 11. Die Konkurrenzsituation lässt sich ganz gut an folgendem Beispiel beschreiben: In 2017 konnte Boris das Rennen noch mit einer Gesamtzeit von 3:52:04 h gewinnen. Eine Zeit von 3:50:59 h reichte in 2020 leider nur für Platz 11.

Besser lief es auf der Halbmarathon-Distanz für Patrick. Mit einer Zeit von 1:11:08 h konnte er am Ende von Platz 10 bis auf das Podium vorlaufen und sich Platz 3 sichern. Da die Laufstrecke mit rund 21,4 km etwas länger war, ergab sich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 3:20 min/km. Wie packend das Duell um Platz drei mit dem Schweden Robert Kalinn war, zeigt sich an Patricks Pacing: Auf den letzten 2-3 Kilometern musste er noch mal beschleunigen und lief Kilometerzeiten um 3:12-3:14 min/km, um den 3. Platz noch zu ergattern.

Das Positive in diesen Tagen: Viele wichtige Erkenntnisse!

Fasst man dieses Wochenende aus sportlicher Sicht zusammen, ist es schwierig, eine konkrete Schlussfolgerung zu ziehen. Ein unplanbarer Saisonstart im September; ein sehr dichtes Profifeld, welches aber komplett ohne Rennpraxis ist; ein weiterer Saisonverlauf ohne richtiges Ziel. Alles in allem war es toll, dass wieder ein Rennen stattfinden konnte. Aus den letzten Wochen nehmen wir viele wichtige Erkenntnisse mit – sowohl aus dem Rennen, als auch aus vorherigen Höhentrainingslagern etc.

Patrick Lange im Ziel beim Ironman 70.3 Gdynia

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